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Die Zeitschrift Blickpunkt: Film
hat in ihrer Ausgabe 3/08 die Firma Kromschröder & Pfannenschmidt
ausführlich porträtiert. Lesen Sie hier den gesamten Artikel:
Mobile Garage
Hamburg – Seit seinem Ausscheiden bei Sat.1 Anfang 2003 ist Jan Kromschröder
von den Schalthebeln der Macht verschwunden. Dafür ist er hinter
den Kulissen der Fernsehwelt aktiv. Im Sommer 2003 gründete er mit
Christian Pfannenschmidt in Hamburg eine TV-Produktionsfirma.
"Wir sind eine Manufaktur oder eine Garage, die man überall aufstellen und nach Bedarf vergrößern kann", sagen Kromschröder und Pfannenschmidt, die mit nur zwei Mitarbeitern im Stil der Executive Producer quasi nach US-Vorbild als Koproduzenten fiktionale Stoffe für 90-Minüter oder Serien entwickeln, inhaltlich betreuen und filmisch umsetzen. An den Serien "Girl Friends" (ZDF), "Die Albertis" (ZDF, mit Network Movie) und "Unter den Linden" (Sat.1, mit Phoenix Film) waren sie beteiligt.
Die beiden kennen sich aus ihrer Zeit als "Stern"-Redakteure, ihre Lebensläufe weisen ähnlich rasante Sprünge aus. Während Pfannenschmidt nach Stationen bei der "Zeit" oder "Capital" dem Schreiben treu blieb, wenn auch anschließend als Drehbuch- und Buchautor, wechselte Kromschröder die Branche. "Ich hatte meine Midlife-Crisis mit 28 oder 29 Jahren und wollte was anderes machen", sagt der gebürtige Frankfurter, der nach Stationen bei "Stern" und "Tempo" beim Abosender Premiere Fernsehluft schnupperte, mehrere Filmproduktionskurse in New York besuchte und 1994 als Producer zu Trebitsch wechselte. Von 1998 bis 2000 war er Abteilungsleiter TV Movie bei RTL, anschließend bis 2003 Bereichsleiter Fiction bei Sat.1. Ende November erreichte Kromschröders und Pfannenschmidts Film "Mein Herz in Afrika" im ZDF 6,04 Mio. Zuschauer (16,2 Prozent Marktanteil): ein Erfolg für das Duo, das in Koproduktion mit Network Movie arbeitete.
"Ich liebe Unterhaltung", sagt Christian Pfannenschmidt, der das Drehbuch schrieb. Der Film, gedreht in Südafrika mit Tanja Wedhorn, Hannelore Elsner und Michael Mendl, setzte auf die Mischung aus großen Gefühlen, herrlicher Landschaft und wilden Tieren. Doch die beiden können auch anders: Aktuell haben sie sich an das Thema Afghanistan herangetastet. Sie verarbeiten es in dem TV-Movie "Willkommen zuhause" (AT, im Auftrag des SWR), das bis Mitte Dezember in Berlin und Deidesheim gedreht wurde. In der Koproduktion mit teamWorx geht es um einen Soldaten, der nach vier Monaten im Afghanistan- Einsatz vorzeitig in seinen Heimatort zurückkehrt. Verwickelt in ein Selbstmordattentat, bei dem sein Freund stirbt, will Ben, gespielt von Ken Duken, weiterleben wie bisher, doch seine Seele ist "nachhaltig verletzt" – wie es in der Inhaltsangabe heißt. "Der Stoff interessiert mich seit drei Jahren", sagt Christian Pfannenschmidt, wieder für das Buch verantwortlich. Er hatte Berichte und Dokumentationen gesehen und "dabei das Gefühl: das Thema kommt immer näher. Und ich wollte das Thema im fiktionalen Bereich ansiedeln."
Nur Vorteile sehen die beiden darin, als kleine Firma zu kooperieren: "Wir gehen mit leichtem Gepäck durchs Leben", so Kromschröder. Eine Assistentin, Producer Benjamin Schacht, die beiden Chefs und neben dem Hamburger Büro noch eine Dependance bei teamWorx in Berlin – das ist alles. "Wenn wir selbst produzieren würden, hätten wir einen riesigen Verwaltungsapparat – und das wollen wir gerade nicht." Hat sich für Kromschröder, der auch Dozent an der Filmakademie Ludwigsburg ist, die Sichtweise auf die deutsche TV-Landschaft verändert, seitdem er nicht mehr auf Senderseite tätig ist? "Es war spannend, sich die große Linie zu überlegen, an welchen Tagen was zu programmieren war oder 30 Sendeplätze für TV-Movies vergeben zu können. Ich glaube schon, dass TV-Machen ganz viel mit dem Bauchgefühl zu tun hat. Jetzt freue ich mich natürlich, wenn die Sender mutig und neugierig sind." Und Pfannenschmidt ergänzt: "Als Autor wünsche ich mir mehr Mut, schöne, spannende, innovative Stoffe umzusetzen." Warum tun sich neue deutsche Serienproduktionen bei den Privaten sehr schwer? "Das ist der Zeitgeist, gerade werden wir von einer Monokultur erschlagen", so Pfannenschmidt. Fiktionale Unterhaltung habe eben ihren Preis, da sei es schwierig, mit gut und teuer produzierten US-Serien zu konkurrieren. Die Privaten schauten hier sehr auf das junge Publikum und die wirtschaftliche Verwertbarkeit. Pfannenschmidt: "Wir probieren immer, Originale zu machen. Ich finde, dass die deutsche Serie wieder sexy werden muss: attraktiv und überraschend." Die Verantwortlichen der Sender würden immer sagen: "Mach mir etwas wie …". Aber wenn die beiden beispielsweise etwas wie "Dr. House" angeboten hätten – "ein negativer Held, der das Bein nachzieht, das hätte einem jeder rausgestrichen", so Pfannenschmidt, der immer noch begeistert ist von der Risikobereitschaft, mit der das ZDF 1992 "Girl Friends" ins Programm hob. "Das war damals wirklich etwas Neues, auch was die Besetzung anging." Und warum funktionieren deutsche TV-Movies als Ein- oder Zweiteiler so gut? "Die werden hier sehr gepflegt. Das ist Fernsehen auf Kinoniveau zu guten Preisen."
Auch im kommenden Jahr sind die beiden gut beschäftigt: Zunächst steht die Fortsetzung des TV-Movies "Der Schwarzwaldhof (AT, Koproduktion mit Cologne Film)" für die ARD an. In dem Drei-Generationen-Film dreht sich alles um eine Hotelchefin, gespielt von Saskia Vester, die nach dem Tod ihres Mannes allein weitermachen will. Die Ausstrahlung beider Teile ist für Ende 2008 geplant. Im Februar beginnen außerdem die Dreharbeiten zu "Der Diamantentaucher" (AT, Degeto), erneut in Südafrika. Die Story, die Pfannenschmidt wieder auf einer wahren Begebenheit basieren lässt, soll "Abenteuer und Liebe", gespickt mit tollen Aufnahmen bieten. Auch ein historischer Zweiteiler mit teamWorx sei in Arbeit. Und sonst? "Wir wollen weiter Serien machen", so Kromschröder. Auch ein "kleiner Kinofilm wäre im Fünfjahresplan denkbar", ergänzt Pfannenschmidt. Welchen TV-Sendeplatz würden sie am liebsten bespielen? "Dienstag, 20.15 Uhr, ARD mit einer hochwertigen, familienorientierten Serie oder Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD mit einem Spielfilm", so beide übereinstimmend.
jfz
Blickpunkt:Film 3/08
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